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Zur Zeit ihrer Geburt war ihr Vater Botschafter Österreichs in Italien. Pauline verbrachte den größten Teil ihrer Jugend in jenen Ländern, in denen ihr Vater als österreichischer Diplomat Dienst tat: in Berlin, Rom und Paris. Ihr Biograf Manfred Berger schreibt:
„ Entsprechend ihrer vornehmen Herkunft erhielt sie Privatunterricht und wurde auf eine standesgemäße Ehe vorbereitet. Dazu gehörte auch ein einjähriger Besuch eines vornehmen Mädchenpensionats für adelige Töchter. 1897 heiratete sie Maximilian Graf Montgelas,einen Abkömmling der zweiten Montgelas – Linie,also des Bruders jenes berühmt-berüchtigten Maximilian Graf Montgelas,der Bayern säkularisierte. Die Ehe blieb kinderlos.“
Während ihr Mann an der Niederschlagung des „Boxer-Aufstandes“ teilnahm,unternahm Pauline ausgedehnte Reisen in Südasien.Diese Reisen fanden später ihren Niederschlag in einer Veröffentlichung unter dem Titel „Bilder aus Südasien“.
Manfred Berger: „ Nach Deutschland zurückgekehrt führte das Ehepaar, bedingt durch die militärische Laufbahn des Grafen Montgelas ein unruhiges Leben. In welchen Städten  - München, Würzburg, Berlin – die Gräfin auch wohnte,stets setzte sie sich vor Ort für die Belange der (nicht nur katholischen)  Frauen und Mädchen und des katholischen Frauenbundes ein. Sie gehörte mit zu den Befürworterinnen zur Gründung eines Münchner Zweigvereins des  Katholischen Frauenbundes(19o4), aus dem schließlich 1911 der  „Bayerische Landesverband des Deutschen Katholischen Frauenbundes“ hervorging. Die Gräfin selbst zeichnete als Vorsitzende der „Sozialen Sektion“ des Vereins verantwortlich.Unter ihrer Leitung wurden ab 19o6 „soziale Seminare“ und ab 19o9 „soziale Studienzirkel“ angeboten.
Daraus entwickelte sich schließlich eine planmäßige „sozial-caritative Frauenschulung“, über die Pauline berichtete: „ In unseren Tagen verwickelter sozialer Zustände und gewaltiger Umwälzungen auf wirtschaftlichem Gebiet ertönt immer lauter der Ruf,dass die Frauen, deren Existenz in so weitem Maße durch die moderne Entwicklung beeinflusst wurde, sich ein gediegenes soziales Wissen als unentbehrliche Grundlage praktischen Tuns aneignen müssen.Auch für die Vereinstätigkeit genügen nicht mehr wie in früherer Zeit ein Herz voll Mitleid und ein fester Wille zu helfen; zweingend notwendig ist es vielmehr, den Ursachen der Schäden nachzugehen, das Warum der sozialen Erscheinungen zu erkennen und auf Grund erlangter Einsicht eine planmäßige, systematisch organisierte Hilfsaktion einzuleiten. Insbesondre verlangen die in immer größerem Umfange den Frauen sich erschließenden Arbeitsgebiete im gemeindlichen Leben sorgfältige Heranbildung
der Bewerberinnen,damit segenbringende Arbeit geleistet werden kann.“
„Auf katholischer Seite war es der Münchner Zweigverein des Katholischen Frauenbundes, der zuerst an die Aufgabe herantrat, Frauen und Mädchen Gelegenheit zu bieten, sich in das theoretische Wissen und praktische Können auf sozialem Gebiet einzuarbeiten. Im Oktober begann die die im vorigen Herbst (1909)  gegründete sozial-caritative Frauenschulung ihr neues Arbeitsjahr, dessen Programm die vorjährige Tätigkeit teils fortsetzen, teils erweitern wird. Voll Begeisterung begann der Münchener Katholischer Frauenbund das zweite Jahr seiner sozial-caritativen Frauenschulung, in der festen Zuversicht, das weite Frauenkreise wenigstens einigen der Vortragskurse folgen werden, damit die Überzeugung von der Wichtigkeit einer solchen Schulung immer tiefer Wurzel fasse zum Heil und Segen für Tausende, die in den Niederungen des Lebens sich abmühen und nach einer Schwesterhand verlangen, zum Nutzen des Vaterlandes,das der Frauenhilfe bedarf,um soziale Schäden unseres Volkstums zu bekämpfen“.
Berger: „ Beim Aufbau der sozial-caritativen Frauenschulung konnte die adelige Frau Alice  Salomon,mit der sie zeitlebens eine innige Freundschaft verband,, als kompetente Beraterin gewinnen. Genannte hatte Oktober 1908  in Berlin die erste überkonfessionelle Soziale Frauenschule Deutschlands eröffnet. Gräfin Pauline setzte sich innerhalb des Katholischen Frauenbundes vehement in Wort und Schrift für eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen der Heimarbeiterinnen,Dienstbotinnen und Kellnerinnen ein. Um deren berufliche Situation verbessern zu können, gründete sie u.a.  Gewerkverein der Heimarbeiterinnen Deutschlands, den Katholischen Arbeiterinnenverein sowie den „Bayerischen Hausindustrie-Verband“.Diese Organisationen forderten die gesetzliche Festlegung von Mindestlöhnen, einen Krankengeld- und Sterbegeldzuschuß, die Regelung einer Kündigungsfrist und boten ferner unentgeltlichen Rechtsschutz in allen gewerblichen Rechtsstreitigkeiten an.Desweiteren galt ihr Engagement dem „Kampfe gegen die öffentliche Unsittlichkeit“.Dabei appellierte sie an die Frauen,von denen „die große Entscheidung“ abhängt,“ob die Jugend stark und rein den ihr harrenden Aufgaben gewachsen sein wird“. Diesbezüglich formulierte Pauline auf dem „XVII. allgemeinen Caritastag“ 1912 in Nürnberg:“Der Kamp, den die Frauen gegen die öffentliche Unsittlichkeit zu führen haben, kann ein direkter und ein indirekter sein:1. ein direkter im Ankämpfen gegen alles Unreine,Grässliche, das sich mehr und mehr in der Öffentlichkeit breit macht, durch Boykott der Geschäfte,die anstößige Schriften,Postkarten usw. verkaufen, durch Protest in Wort und Schrift,wenn Schamloses in irgend einer Form frech in Erscheinung tritt, durch Einflussnahme auf die öffentliche Meinung gegenüber der schmutzigen Flut,die unsere öffentlichen Zustände bedroht.Wir dürfen uns auch nicht scheuen,Anzeigen an die Behörden zu erstatten gegen Übertretungen der bestehenden Verordnungen und Gesetze...2. Der Kampf muß auch auf indirekte Weise geführt werden... Wir müssen dem Bildungsdrang der in manchen, zumal in Kreisen gelernter Arbeiterschaft vorhanden ist,entgegenkommen durch Schaffung von Gelegenheiten einer guten, gediegenen Volksbildung. Der gebildete Teil dr Nation kann nicht besser seine Dankesschuld für die ihm durch glücklichere Existenzbedingungen zuteil gewordenen Kulturelemente abtragen, als indem er geistige Güter denjenigen vermittelt,die durch ihrer Hände Arbeit das notwendige Fundament gründeten, auf dem sich das Gebäude moderner Kultur erhebt.Kein Mittel ist besser,um den Schäden unlautrer Geschäftsspekulation entgegenzuwirken als soziale Einrichtungen wie Bibliotheken,gute Theatervorstellungen zu niedrigen Preisen,Vorträge,besonders mit Lichtbildern,Arbeiterkurse.Frauen haben hier ein weites Feld der Betätigung,nicht allein, in dem sie an all diesen Bestrebungen teilnehmen, sondern auch, indem sie sich auf dem Gebiet der Volksbildung eigens der Frauen und Mädchen annehmen“.

Berger:“ Neben  ihrer ehrenamtlichen caritativ-sozialen Tätigkeit betätigte sich die Gräfin auch als politisch „nationalistisch“ gesinnte Schriftstellering,vor allem in den 2oer Jahren die „Kriegsschuldfrage“ betreffend. Demensprechend begrüßte und interpretierte sie Anfang 1933 in „Die christliche Frau“ mit pathetischen Worten das von dem Österreicher Hans Eibl herausgegebene Buch „Vom Sinn der Gegenwart. Ein Buch deutscher Sendung“. `“ Mehr und Mehr hat der Gedanke an das Reich die Geister erfasst, immer stärker lebt er als Sehnsucht in deutschen Herzen; seine Verwirklichung steht am Ende des Weges, den ein junges Geschlecht zu gehen entschlossen ist; es war die Dynamik, die den Aufbruchwillen der deutschen Revolution zum Sieg geführt hat.Unübersehbar bald auch das Schrifttum.In Büchern, Zeitschriften und Zeitungen – überall  leuchtet uns das Wort zukunftverheißend entgegen, von Glanz umstrahlt, als wenn die Feder, die es niederschrieb zuerst in Glut getaucht worden wäre. Chiliastische Erwartung des Dritten Reiches, das wie ein Traumgebilde erscheint, obwohl es eine in Blut und Erde wurzelnde Wirklichkeit ist,Fortführung und Vollendung tausendjähriger Geschichte... Wer Hans Eibl auch als Redner kennt weiß, wie groß die Wirkung seines zündenden Wortes ist, wenn er die Unhaltbarkeit von Veträgen begründet,die fälschlich den Namen von Friedensverträgen  tragen. Er scheut nicht, sie als ungeheueren Frevel zu brandmarken...Mit zwingender Logik wird entwickelt,dass, was im Sommer 1919 in Versailles und St.Germain sich vollzog,Vertragsbruch ist,da es in schreiendem Widerspruch steht zu den sog.Wilsonschen Punkten, auf Grund derer am 5.November 1918 der Präliminarfrieden geschlossen wurde.Vertragsbruch gegenüber dem Reich und gegenüber den österreichischen Deutschen.Fordert doch einer der Punkte ausdrücklich das Selbstbestimmungsrecht für die Völker der Donaumonarchie,folglich für die Deutschen auch.“

Solche und ähnliche Sätze und Reden haben  Pauline Wimpffen  bei den Historikern der Nachkriegszeit  in die Nähe der Nazionalsozialisten gerückt. Sie haben dabei die Zeit und vor allem die Tradition, in der sie wirkte und aufgewachsen war, ausser Acht gelassen.
Der Vater,Felix  Graf von Wimpffen war in der Zeit auf dem Weg zur Gründung des Bismarckreiches, der wichtigste Diplomat der k.u.k. Monarchie, der diplomatische Gegenspieler von Bismarck.
Attache  in Rom,Botschaftsrat in London,Botschafter in Berlin und schließlich in Paris  in der Zeit   der Kriege  Österreichs gegen Italien, Preussens gegen Österreich, Preußens gegen Frankreich.Weltgeschichtliche Ereignisse im Hegemoniekampf in Europa, wobei  er versuchte, am Machterhalt Österreichs aktiv  mitzuwirken. Doch Österreich scheiterte in diesem Kampf an Preussen und der Niedergang  seines Heimatlandes, der Monarchie  hat  Felix Wimpffen nie überwunden. Und so war es folgerichtig, dass in der Familie – auch nach dem Tod des Vaters  - der Gedanke an ein großes deutsches Reich unter Einschluß Östrereichs  fortlebte und fortwirkte. Pauline Wimpffen  begrüßte  das neue Regime der Nationalsozialisten in der Hoffnung auf ein neues Reich,wobei es fraglich ist,das sie Hitlers Mein Kampf jemals gelesen hat. Wie ihr berühmter Vorfahr,der französische Revolutionsgeneral Felix de Wimpffen, der die Revolution in siegreichem Kampf verteidigt hat in der Hoffnung auf eine konstitutionelle Monarchie und der nach dem Sturz Dantons und der Girondisten vom Terrorregime des Robespierre verfolgt wurde und nur knapp der Guillotine entging ,hat auch Pauline Wimpffen an die schöne Zukunft des  "Dritten" Reiches geglaubt bis ihr die Verfolgung der politischen Gegner, der Kirche, die Schikanen gegen die katholischen Verbände diesen Traum zertrümmerten.  Angebote, im BDM aktiv mitzuwirken lehnte sie ebenso ab wie die Übernahme von Parteifunktionen in der NSDAP.  Die Verfolgung der Juden war schließlich der Anlass, alle öffentlichen Auftritte abzusagen und sich ins Privatleben zurückzuziehen  - bis zum ihrem Tod 1961 !  Für die Nazis war sie zur persona ingrata erklärt worden,einerseits wegen der „jüdischen  Versippung“  -  der Bruder ihres Vaters, der österreichische Feldmarschall-Leutnant Franz Graf v. Wimpffen,ehemals Oberkommandierer der österreichischen Marine war mit einer reichen österreichischen Bankierstochter,mit Maria Freiin Eskeles verheiratet  - andererseits weil sie sich in Wort und in Protestbriefen gegen die Verfolgung ihrer Weggenossin im Kampf um die Rechte der Frauen in Deutschland, Alice Salomon, einer Jüdin eingesetzt hat. Als  Alice Salomon 1937 zur Emigration gezwungen wurde verstummte die Stimme der Pauline Wimpffen für immer. Sie lebte bis zu ihrem Tod in Rottach-Egern, wo sie am 1o.Mai 1961 starb. Ihre sterblichen Überreste fanden in der Krypta der Grafen Montgelas in  Egglkofen,Niederbayern die Ewige Ruhe. Der Katholische Frauenbund Bayerns legt hin und wieder einen Kranz am Grab dieser Vorkämpferin der Rechte der Frauen in Deutschland nieder.

Quellen: Private Korrespondenz, Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon, Bd. XX, Berger, Manfred: Pauline Mathilde Sophie Gräfin Montgelas in: Maier, Hans: Who is who der sozialen Arbeit,Freiburg i.Br. 1998 , Berger, Manfred: Pauline Gräfin Montgelas – Kämpferin für arbeitende Frauen, in: Caritas 99 – Jahrbuch des Deutschen Caritasverbandes,Freiburg 1998

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