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Der Vater, Stanislas Gustave-Louis de Wimpffen, war Rat und Kammerherr am fürstlichen Hofe von Pfalz-Zweibrücken und erblicher Großvogt der Herrschaft Guttenberg. Entsprechend der militärischen Tradition seiner Familie trat er am 19.Februar 1768 mit 19 Jahren in das Regiment de la Mark ein, in welchem zahlreiche Mitglieder seiner Familie Dienst taten und das zur Zeit seines Eintritt vom Bruder seines Vaters, Christian de Wimpffen als Oberst befehligt wurde. In diesem Regiment nahm er als Unter-Lieutenant an den Feldzügen der französischen Armee zur Eroberung von Korsika teil.
Am 4. August 1781 wurde er ins Regiment Bouillon als Capitaine de grenadiers übernommen.Aufgrund seines tapferen Verhaltens wurde er vom Inspecteur der Truppe als 2. Méstre de camp vorgeschlagen und in dieser Eigenschaft nahm er in den folgenden Jahren an allen Kämpfen des Regiments Bouillon teil, so am amerikanischen Freiheitskampf unter dem General Lafayette und an der Eroberung von Mahon und Gibraltar. Er zeichnete sich in diesen Kämpfen besonders aus und der König, Ludwig XVI. bewilligte ihm eine außenordentliche Belohnung von 3oo Livres. Am 28.Januar 1791 ernannte ihn der König zum Ritter des Saint-Louis Ordens und beförderte ihn wenig später zum Oberstleutnant im Regiment Deux-Ponts.(Zweibrücken)Auch in diesem Regiment, dessen Angehörige zum größten Teil Elsässer und Pfälzer waren, dienten zahlreiche Mitglieder der Familie Wimpffen.

Am 2o.Mai 1792 verließ er sein Regiment, da er zum Kommandanten der Stadt Philippeville ernannt wurde. Damit verteidigten drei Mitglieder seiner Familie wichtige französische Grenzbefestigungen gegen die vereinigten Armeen Preußens, Österreichs und der Emigranten: Felix de Wimpffen als Kommandant der Festung Thionville, Francois Louis de Wimpffen Neuf-Brisach und Hermann de Wimpffen Philippeville.

Die Ereignisse in Paris Anfang August, insbesondere das Niedermetzeln der Schweizergarde, der Sturz der Monarchie ließen bei ihm die ersten Zweifel an einer demokratischen Entwicklung wach werden. Im Herzen ein Royalist, vom Verstand her ein Girondist,entschloss er sich als erster der drei Generäle das Kommando niederzulegen und zu emigrieren. Er ging nach Deutschland und ließ sich zunächst in Düsseldorf nieder, damals ein Zentrum der französischen Emigranten. Das Angebot, in der Armee der emigrierten Prinzen ein Kommando zu übernehmen, lehnte aber ab, wahrscheinlich mit Rücksicht auf die beiden Verwandten, die trotz der Pariser Ereignisse zur Revolution standen. Durch seine ablehnende Haltung hat er ein Zusammentreffen mit seinem Onkel, der Thionville gegen die Armeen der Preußen, Österreicher und der Emigranten verteidigt hat, vermeiden können.

Die kommenden Jahre verbrachte er in Düsseldorf, siedelt dann nach Wimpfen am Neckar, in die Stadt seiner Vorfahren um, und trat um die Jahrhundertwende in den Dienst des Herzogs von Württemberg.Dieser beauftragte ihn mit Organisationsaufgaben bei der Armee.
Neben seinen Aufgaben als Militärorganisator erhielt er auch diplomatische Aufträge: im Juli 18o6 wurde er als württembergischer Gesandter nach Berlin und Dresden geschickt.
Das sich anbahnende Bündnis Württembergs mit Napoleon förderte die militärische Karriere von Hermann von Wimpffen; wenige Tage vor Abschluss eines Bündnisvertrages zwischen Frankreich und Württemberg, am 7. Oktober 18o5 wurde er zum Oberst in der württembergischen Armee ernannt, drei Jahre später, am 5.November 18o8 zum Generalmajor befördert. In dieser Eigenschaft nahm er an allen Kampfhandlungen württembergischer Rheinbundtruppen teil, bis ein Dekret Napoleons vom 26.August 1811, das alle in fremden Dienste stehenden französischen Offiziere verpflichtet, nach Frankreich zurückzukehren,ihn zwingt, die württembergische Armee zu verlassen und nach Frankreich zurückzukehren.Der dankbare König von Württemberg gewährte ihm eine Pension auf Lebenszeit in Höhe von 9oo Franken.

Am 2.Februar 1812 kehrte Wimpffen nach Frankreich zurück und ließ sich in der elsässischen Grenzfestung Neuf-Brisach nieder: hier war sein Onkel, Francois Louis de Wimpffen während der Revolution Gouverneur, hier lebte seine Schwester, Rosalie de Wimpffen und seine Frau, Therese Kossmann, eine gebürtige Neuf-Brisacherin.

Nach seiner Rückkehr richtete er sofort ein Gesuch an Napoleon,“mir den Dienstrang eines Brigadegenerals zu verleihen und mich entweder im Militärdienst oder als Diplomat“ zu verwenden.
Napoleon, der inmitten der Vorbereitungen seines Russlandfeldzuges war, hat das Gesuch Wimpffens unbeantwortet gelassen; wäre er in württembergischen Diensten geblieben, hätte er nach Russland marschieren müssen und, er wäre wahrscheinlich nicht zurückgekehrt. So aber verbrachte er die Tage und Wochen in Neuf-Brisach.

Nach der Verbannung Napoleons auf die Insel Elba, richtete Wimpffen erneut ein Gesuch, jetzt an den Kriegsminister und erbat eine Verwendung; diesmal beanspruchte er die Platzkommandantur von Neuf-Brisach, die ein Napoleon-treuer Offizier, der General Dermoncourt bekleidet hatte.

Napoleons Rückkehr, die 1oo Tage verzögerten die Beantwortung seines Antrags, deshalb schrieb er am 2o.Juli1815 erneut an den neuen Kriegsminister und bewarb sich um die Festungskommandantur. Auch dieser Antrag wurde abgelehnt. Wenig später erfolgte jedoch seine Ernennung zum Bürgermeister-Maire von Neuf-Brisach.

Seine Anträge auf Gewährung einer Pension aufgrund seiner Zugehörigkeit zur französischen Armee vor und während der Revolution wurden stets abgelehnt- Hermann de Wimpffen war bei Ludwig XVIII in Ungnade gefallen. Man hat nicht vergessen, dass er sich 1792 dem Ruf, sich der Emigrantenarmee anzuschließen verweigerte; es wurde ihm vorgehalten, eine Pension vom ehemaligen Rheinbundkönig von Württemberg anzunehmen, kurz, er musste sehen, wie er seine Familie aus dem Gehalt eines Bürgermeisters durchbringt.
Im Kriegministerium war man jedoch über die offensichtliche Unrechtmäßigkeit der Ablehnung des Pensionswunsches eines um Frankreich verdienten Offiziers im klaren –immerhin trug er eine der höchsten Auszeichnungen des Ancien régimes – so das der Kriegsminister sich gezwungen sah, eine geheime Untersuchung über die Vermögensverhältnisse des Generalmajors von Wimpffen anzuordnen.

Die Untersuchung wurde von der Gendarmerie durchgeführt; darin wurde festgestellt, „dass der Generalmajor de Wimpffen als ganzes Vermögen ein Haus und einen Garten besitzt, was sehr wenig in dieser Stadt bedeutet und dass er heute noch einem gewissen Roux(de Damiani) eine ziemlich bedeutende Summe schuldig ist, die dieser ihm geborgt hatte für den Kauf des Hauses und für welche er Zinsen zu zahlen habe. Der Baron habe zu seinen Lasten seine Tochter, die Witwe eines in Spanien gefallenen französischen Offiziers und deren Kind. Als Existenzmittel besitzt der Baron bloß ein ihm vom großherzoglichen Hofe von Baden bezahltes Gehalt.“

Der Untersuchungsbericht hat offensichtlich nichts Positives für den General bewirkt.

Dann, Monate später, schrieb der Präfekt des Departements Haut-Rhin, Casdéja einen Bittbrief an den Kriegsminister, den ehemaligen napoleonischen General Gouvion - St.Cyr, um Wimpffen eine Pension des Ritterordens Saint Louis ,dessen Mitglied er war, zu erwirken.In einem Brief, datiert v. 14.September 1818 hieß es:
„Monseigneur,
Euere Exzellenz haben mehrere Brief erhalten vom Baron de Wimpffen, Maréchal de Camp( diesen Rang bekleidete von Wimpffen in der alten französischen Armee) ohne Pension, dessen ganz besonderen Verhältnisse in den zuständigen Ämtern Ihres Ministeriums untersucht worden sind.
Sehr betrübt hat der alte und tapfere Offizier im Generalsrang an Euere Exzellenz einen Pensionsantrag an den Ritterorden Saint Louis gerichtet und Monseigneur versprach ihm in Ihrem Brief v. 17.August letzthin, dieses Gesuch an den König zu unterbreiten.

Ohne Vermögen, doch sehr ehrenwürdig, hat M. de Wimpffen wirkliche Anrechte auf die Güte des Königs.
Seine ihm vom König von Württemberg gewährte Pension kann für seine und seiner Familie Bedürfnisse nicht genügen.
Zugunsten des Baron de Wimpffen als Administrateur von Neuf-Brisach ist festzuhalten, dass dieser sich angestrengt hat, dem Städtchen zu einem Wohlstand zu verhelfen. Diesbezüglich hat er sich am 31. März 1816 an den Präfekt von Colmar gewandt, damit Neuf-Brisach ein Teil des Bannes von Vogelsheim als Bannmeile zugesprochen wurde. M. de Wimpffen hat dabei geltend gemacht,dass Neuf –Brisach vielleicht die einzige Stadt in Frankreich ist, welche über keinen Bann verfügt, deren Bewohner aber ¾ des Gebiets von Vogelsheim besitzen und deren Interessen nur durch die Verwaltung der Stadt gut gewährt werden können“.

Es ist anzunehmen, dass der Präfekt lediglich einen Vorwand gesucht hat, um den Kriegsminister auf die missliche Situation des Generals aufmerksam zu machen, denn die Frage der Bannmeile hatte mit dem Saint-Louis-Orden herzlich wenig zu tun. Wie auch immer, Gouvion-St.Cyr hat den Antrag befürwortet und der König hat schließlich die Pension ab September 1818 gewährt . Doch der innerlich gebrochene General Germain von Wimpffen konnte die Vorzüge dieses königlichen Gunstbeweises nicht lange genießen: Anfang 182o erkrankte er an einer schweren Lungenentzündung und starb wenig später am 3.Februar 182o. Er wurde auf dem Friedhof der Stadt Neuf-Brisach beerdigt.

Der Lebensweg des Germain-Hermann von Wimpffen war ein typisch elsässischer; welches Land war sein Vaterland? Frankreich oder das Heilige Römische Reich deutscher Nation? Vor der französischen Revolution war das für viele Elsässer ein Problem, das jedoch durch die Zugehörigkeit zur Armee eines Königs oder eines regierenden Fürsten keine allzu große Bedeutung besaß. Man lebte zwar im französischen Königreich, diente aber in einem deutschen Regiment- oder umgekehrt.

 

Viele Mitglieder der Familie Wimpffen begannen ihre militärische Karriere in den deutschsprachigen,(nicht in deutschen) Regimentern der französischen Armee: Edouard de Wimpffen, gefallen 18o9 bei Wagrem im Regiment Bouillon, Germain de Wimpffen im Regiment Bouillon, Christian de Wimpffen im Regiment de la Marck (dessen Kommandeur er wurde),Felix de Wimpffen, der siegreiche Verteidiger von Thionville begann seine militärische Laufbahn ebenfalls im Regiment de la Marck und wurde später Oberst des Regiments Bouillon, Francois Louis de Wimpffen trat im jugendlichen Alter ins Regiment de la Marck ein, während sein Vater im deutsch-pfälzischem Regiment in französischen Diensten „Royal Deux-Ponts“diente. Georges Francois de Wimpffen(geb.176o) begann seine Laufbahn im deutschsprachigen Regiment „Alsace“ und beendete diese als österreichischer Feldmarschall-Leutnant.

Über diese „deutschen“ Regimentern in französischen Diensten sind unzählige Bücher geschrieben worden, meist als Anklage gegen die Fürsten, die gegen gutes Geld ihre Landeskinder verkauft haben sollen. Liest man jedoch die zeitgenössischen Dokumente, Briefe, Lebensbeschreibungen, sie ergeben ein völlig anderes Bild. Für den einfachen Soldaten war es ziemlich gleichgültig, für welchen König oder Fürsten er leiden und sterben musste – der Dienst in einem preußischen Regiment war ungleich härter und unbarmherziger als in diesen deutschen Regimentern der französischen Armee. In diesen Regimentern galt die Muttersprache als Kommandosprache – dafür stritten die Politiker der Österreichisch-Ungarischen Monarchie bis ans Ende der k.u.k. Armee .Und, nachdem das Elsass Teil Frankreichs geworden ist, musste man sich damit abfinden und, statt verteilt auf das ganze Königreich, blieb man im eigenen Kampfverband.
Wie sehr diese Regimenter sich zum französischen Königreich gehörig betrachteten, beweisen nicht nur ihre Ruhmestaten, sondern auch die Tatsache, dass ihre Tradition niemals von einer deutschen Armee – auch nicht in der Zeit der deutschen Besatzung nach 187o – sondern nur von der französischen Armee fortgeführt wurde bzw. werden: Das Regiment „Royal Deux-Ponts“ heißt in der modernen französischen Armee Infanterie de Ligne Nr. 99, das ehemalige Regiment de la Marck ist heute das 77.Infanterieregiment; und es ist anzunehmen, dass die 2oo1 beschlossene Abschaffung der Wehrpflicht diese Traditionslinie nicht unterbrechen wird.

Dem jungen Offizier Germain de Wimpffen erging es wie all seinen Brüdern und Verwandten als die Revolution ausbrach: anfänglich waren sie alle „bei der Stange“ geblieben, hofften auf eine konstitutionelle Monarchie und verteidgten die Revolution an vorderster Front; den drei Festungskommandanten, Germain in Philippeville, Francois Louis in Neuf-Brisach und Felix in Thionville haben die Emigranten, vereint mit den Österreichern und Preußen vorteilhafte Bedingungen für die Kapitulation, für die Übergabe der Grenzbefestigungen angeboten, und alle drei haben abgelehnt, während Longwy und Verdun beinahe kampflos kapitulierten. Doch als der König hingerichtet wurde, war es vorbei mit den Illusionen. Vom Wohlfahrtsausschuss des Robespierre als Verräter, Girondisten, verkappte Royalisten verfolgt, und in vielen Fällen knapp der Guillotine entgangen, verließen sie nicht nur ihre Regimenter, sondern auch ihr Vaterland: Germain de Wimpffen trat der württembergischen Armee bei, ebenso sein Onkel, Francois Louis. Der Sieger von Thionville, Felix de Wimpffen ging in der Normandie in den Untergrund, Francois Georges verließ Frankreich für immer und stellte sich in den Dienst des deutsch-römischen Kaisers.

Hatten die Vertreter des Terrors recht als sie diese Offiziere als verkappte Royalisten bezeichneten, die sie am liebsten hingerichtet hätten wie den siegreichen General Custine? Wären sie Royalisten gewesen, sie hätten das Angebot der Prinzen-Armee angenommen und die ihnen anvertrauten Festungen übergeben und der Weg wäre nach Paris frei geworden. Nach dem Fall der zwei starken Grenzfestungen Longwy und Verdun konnte man bei den Invasoren zu recht annehmen, auch die übrigen Festungen würden kapitulieren, denn sie wurden alle von ehemaligen Offizieren der königlichen Armee befehligt – doch es kam anders. Die sog.“verkappten Royalisten“ hielten zur Revolution, hielten dem Ansturm stand und wurden schließlich vom Konvent belobigt. Die Generale Custine, Lafayette, Dumouriez, Wimpffen, Luckner waren vielleicht in ihrem Herzen dem König verbunden, doch ihr Verstand vertrat die Prinzipien Freiheit, Gleichheit(vor dem Gesetz)Brüderlichkeit. Nicht sie, sondern die Befürworter des Terrors, Robespierre, Saint-Just, Marat, Hebert und wie sie alle hießen, haben diese Prinzipien verraten- die Generäle waren nicht Gegner der Revolution, sondern einer aufziehenden, für jeden erkennbare Schreckensherrschaft.

Der französische Maréchal de camp und württembergischer Generalmajor Germain-Hermann de Wimpffen war mit einer Neuf-Brisacherin verheiratet:Thérese Kossmann,Tochter eines Arztes , mit der er zwei Töchter hatte: Constance, geboren 1796 war mit dem Oberstleutnant Lescotet de Meneval verheiratet, der 1811 in Spanien im Kampf gegen eine Guerilla-Einheit fiel, weshalb die älteren Quellen behaupten, er sei ermordet worden.. Sie hatten eine Tochter, Honorine Benedicte, die später in Neuf-Brisach den Capitaine de Dussancy heiratete.
Die zweite Tochter, Albertine wurde 18o3 geboren, auch sie heiratete einen Militär :Charles Gehin, Adjutant der Festung Neuf-Brisach.

Das Haus des Generals von Wimpffen in Neuf-Brisach wurde bei der Bombardierung 1945 zerstört. Es stand am Place d’Armes Nr. 4 Der Garten befand sich dort, wo heute die Häuser Nr. 2 und 4 in der „ Rue du 28. Regiment“befinden.

Die beiden Töchter wurden nach ihrem Tode ebenfalls in Neuf-Brisach im Familiengrab beerdigt, das alle Kriege überdauert hat und heute(2oo6) noch vorhanden ist. Eine in Holz geschnitzte Frauengestalt wurde vom Grab abmontiert und im Museum Vauban der Stadt aufgestellt.

Quellen:Dernieres Nouvelles d’Alsace v.6.Mai 197o:Wimpffen,der Maire der Vaubanfeste von Alphonse Halter
Neuf Brisach v. Alphonse Halter-Roger Herrscher-Jules Roth,Colmar 1981
Wurzbach:Biographisches Lexicon des Kaiserthums Österreich

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